Nichts und niemand ist vergessen!

09. November 1938

In zahlreichen deutschen Städten werden jüdische Geschäfte geplündert, Wohnungen verwüstet, Synagogen in Brand gesetzt und Menschen durch die Straßen gehetzt. Die Pogrome sind der deutliche Ausdruck eines tief verwurzelten Antisemitismus, der gepaart mit völkischer und faschistischer Ideologie ein paar Jahre später zum industriellen Massenmord an Millionen von Jüdinnen und Juden führte.

Die Deutschen wollen ihren Opfern verzeihen, können es aber nicht

Vor 1933 konnte mensch sich den Antisemitismus als Kapitalismuskrirtik unzufriedener Nationalisten erklären. So konnte man alles, was einem nicht paßte, auf das Treiben böser internationaler Mächte, die aber sich als InländerInnen tarnten, zurückführen. Doch seit 1945 kommt das beleidigte Nationalgefühl hinzu, daß den Opfern die notwendige Distanzierung von Teilen der eigenen Nationalgeschichte nicht verzeihen kann.

Der bundesdeutsche Nationalismus hat nämlich in den letzten Jahren eine etwas schwierigere Übung verlangt, gerade die Scham über den Nationalsozialismus soll zum Stolz auf Deutschland führen. Während direkt nach 1945 nach einer kurzen Phase Schweigen angesagt war, wird seit den 60er Jahren die Vergangenheit bewältigt. Und zwar nach allen Regeln der Kunst wurde zwischendurch das ganze deutsche Volk zu einem einzigen Opfer des NS erklärt, ist jetzt in der dritten Generation sogar der irritiert-betroffene Blick auf ein begeistertes Volk gestattet. Der soll mahnen, auch in Zukunft der Demokratie als der besten, weil erfolgreichsten Staatsform die Treue zu halten. Die Opfer mahnen, und daß die Deutschen sich mahnen und mahnen lassen, darauf dürfen die Deutschen dann schon wieder stolz sein, weil sie im Gegensatz zu anderen Völkern, heißt es, hier notwendig zu ihrer Geschichte stehen. Deswegen finden es dann viele Deutsche sehr übertrieben und undankbar, wenn Opfer immer noch irgend etwas fordern oder verlangen. Es reicht doch wirklich, daß die Deutschen jetzt Klezmer-Musik hören. Entschädigung für Zwangsarbeiter geht dann doch zu weit.

Vergangenheit, die nicht vergeht

Womit der nahtlose Übergang zum „Jetzt ist es aber genug“ vollzogen wäre. Hier trifft man sich dann wieder mit denen, die nicht glauben mögen, daß ihr Vaterland eine dunkle Geschichte hat. Entweder wird gleich alles abgeleugnet, was auch in der Form der Verharmlosung („andere haben ja auch“) und Verkleinerung („so viele waren`s gar nicht“) geschehen kann. Oder es wird noch weiter gegangen. Die Deutschen werden wohl ihre Gründe gehabt haben, für den Mord an Millionen Juden, und an den Gründen der werten Vorfahren kann doch nicht alles falsch gewesen sein: „Unsere Väter waren keine Verbrecher.“

Und hier geht der Antisemitismus wegen Auschwitz los, der sich dann munter aller antisemitischen Klischees bedient. Die raffgierigen jüdischen Rechtsanwälte von der Ostküste („Wallstreet“), die jüdischen Profiteure der „Holocaust-Industrie“ usw. Es ist dieses beleidigte Nationalgefühl, dieser „sekundäre Antisemitismus“, der dem Antisemitismus als Ressentiment gegen den „zersetzenden Intellektuellen“ und das „vaterlandslose, profitgierige, allgemeinwohlschädliche Finanzkapital“ in Deutschland seine besondere Lebendigkeit und Verbreitung verschafft. (www.junge-linke.de)

Get active!

Neben mehreren dezentralen Gedenkkundgebungen für die Opfer der Novemberpogrome 1938 wird es auch eine antifaschistische Demonstration in Braunschwieg geben. Beteiligt und informiert euch, um geschichtsverdrehender und antisemitischer Scheisse keinen Platz zu geben!


8 Antworten auf „Nichts und niemand ist vergessen!“


  1. 1 matthias 07. November 2007 um 9:11 Uhr

    Hallo liebe JAH, vielleicht könntet Ihr Eure Texte mal besser strukturieren, so das mensch klar erkennen kann was ihr meint, was ihr meint was andere meinen etc. Auch ansonsten wäre es sehr nützlich diesen Wirrwar etwas zu sortieren, da ich sonst als bekenender Kraut und Teil des Mobs vielleicht auch in die Versuchung kommen könnte auf Grund dieses -Möchtegernintellektuellengelabers- zu einem glühender Antisemiten zu werden.

    1.schön das Ihr die Argumenttation der Nazis komplett übernehmt. Nach der Darstellung der NSDAP handelte es bei dem 9.November um den
    Ausbruch des Volkszornes. Die SA und die NSDAP hätte keinerlei organisatorische Funktion gehabt, im Gegenteil sie hätten die Geschäfte vor dem Volkszorn schützen müssen und aus dem gleichen Grund so viel Juden/Jüdinnen wie möglich in Schutzhaft genommen. Damit eben nicht noch mehr Juden/Jüdinnen umgebracht worden wären.

    2.Die Deutschen und die Opfer ??? unter den Opfern der Deutschen befanden sich ein nicht ganz unerheblicher Teil Deutscher oder seit Ihr eventuell auch der Auffassung das Juden keine Deutsche wären …

    3. Wer ist für Euch eigentlich das handelnde Subjekt. Zum einen habe ich die Deutschen gefunden zum anderen den bundesdeutschen Nationalismus, sind das Eure Subjekte der Geschichte ???

    4.“Vor 1933 konnte mensch sich den Antisemitismus als Kapitalismuskrirtik unzufriedener Nationalisten erklären. „meint Ihr das nun wirklich, dann solltet Ihr Euch mal die Geschichte anschauen. Der Antisemitismus war nicht das Problem einiger veirrter Nationalisten sondern das der gesamten bürgerlichen Klasse. Da die Bürger/innen als politische Klasse sich wenig mit dem Wertgesetz auseinander gesetz hatte und hat war und ist ihr das Funktionieren ihrer eigenen Gesellschaft nicht bewußt und für das Scheinbare Nichtfunktionieren (eine Gesellschaft die sich real hin zum Abstrakten entwickelt) wurde und wird der Jude verantwortlich gemacht etc. Da müsste mensch dann aber tatsächlich mal mehr als ein
    paar Fetzen Demoaufrufe lesen …

    5.“Während direkt nach 1945 nach einer kurzen Phase Schweigen angesagt war …“wer schwieg wann wo, immerhin solltet Ihr vielleicht erwähnen, das nachdem Deutschland vom Faschismus befreit wurde, zum größten Teil durch den slawischen Mob, sowjetische Menschen die nebenbei bemerkt ihre Heimat sehr liebten, es eine Phase der der härtesten politischen Konfrontation über die weitere Entwicklung Deutschland gab. Schaut Euch doch mal das Potsdammer Abkommen an und überlegt auf Grund welchen Wirkens konkreter politischer Subjekte die Realisierung dieses Abkommens verhindert wurde …

    viele Grüße matthias

  2. 2 Matthias 08. November 2007 um 8:37 Uhr

    Falls es Leute gibt die sich statt diesem Dumpfbackengelaber lieber etwas sachkundig machen wollen, hier findet sich ein informativer Artikel
    http://de.wikipedia.org/wiki/Reichspogromnacht

    …matthias

  3. 3 matthias 08. November 2007 um 8:49 Uhr

    Hier gibt es statt dem Dumpfbackengelaber auf der Seite einen informativen Artikel

    http://de.wikipedia.org/wiki/Reichspogromnacht

    …matthias

  4. 4 Diskutierer 12. November 2007 um 23:40 Uhr

    Es wäre hilfreich, wenn du einmal aufführen würdest, wo genau die Argumentation der Nazis übernommen wird? Wer schweigt, stimmt zu. Das gilt wohl auch für alle, die sich an den Pogromen nicht aktiv beteiligten. Antisemitische Einstellungen äußern sich ja auch nicht ausschließlich in Übergriffen auf Juden.

    1938 wurden, wie du selbst eigentlich wissen müsstest, jüdische Menschen bereits durch diverse Sondergesetze auch juristisch aus dem öffentlichen Leben ausgegrenzt. „Die Deutschen“ im Text über dir sind wohl eher als diejenigen zu verstehen, die sich einer deutschen Volksgemeinschaft zugehörig fühlten und fühlen.

    Subjekte machen keine Geschichte, sie sind gänzlich austauschbar. Die gesellschaftlichen Verhältnisse dürften stattdessen einen nicht unerheblichen Teil zum Verlauf der Geschichte beigetragen haben. Ein verkürzter Blick auf die Geschichte („Hinter dem Faschismus steckt das Kapital“) spielt antisemitischen Verschwörungstheorien („Das raffende Finanzkapital“) doch wunderbar in die Hände.

    Warum denn so bescheiden? Du vergisst die Arbeiterklasse. Wie erklärst du dir denn, dass sich nicht nur der Rotfrontkämpfenbund, sondern auch die SA aus Proleten rekrutierte? Alles verirrte Schäfchen, die mensch nach der Revolution hätte durchaus wieder einfangen können? Im Übrigen habe ich tatsächlich von Seiten des proletarischen Widerstandes im 3.Reich relativ wenige Aufrufe gelesen, die den Antikapitalismus der Nazis anhand der Wertkritik auseinandernahmen. Vielleicht doch nicht nur ein Problem des Bürgertums?

    Du willst darauf hinaus, dass von allen Siegermächten nur die Sowjetunion das Potsdamer Abkommen versuchte, umzusetzen. Hätten alle mitgemacht, dann wäre alles gut gewesen? Du vergisst die unterschiedlichen Interessen der Anti-Hitler-Koalition. Wenn im Osten die Entnazifizierung so erfolgreich war, wie erklärst du dir dann die Existenz der NDPD (Gegenstück zur NPD in der BRD) in der DDR?

  5. 5 IdrawESCAPEplans 15. November 2007 um 10:25 Uhr

    1.schön das Ihr die Argumenttation der Nazis komplett übernehmt. Nach der Darstellung der NSDAP handelte es bei dem 9.November um den
    Ausbruch des Volkszornes. Die SA und die NSDAP hätte keinerlei organisatorische Funktion gehabt, im Gegenteil sie hätten die Geschäfte vor dem Volkszorn schützen müssen und aus dem gleichen Grund so viel Juden/Jüdinnen wie möglich in Schutzhaft genommen. Damit eben nicht noch mehr Juden/Jüdinnen umgebracht worden wären.

    hi, ich denke es geht eher um einen verweis auf ein gesellschaftliches klima indem zum einen die sa-gruppen ungestört oder unterstützt durch die restbevölkerung wüten konnten und zum anderen in dem gerade die restbevölkerung nicht nur in der nacht zum 9. november, sondern noch viel länger, menschen angriff, die als „jüdisch“ identifiziert wurden.

    2.Die Deutschen und die Opfer ??? unter den Opfern der Deutschen befanden sich ein nicht ganz unerheblicher Teil Deutscher oder seit Ihr eventuell auch der Auffassung das Juden keine Deutsche wären …

    naja die deutschen, gemeint als die damalige gesellschaft im ns, haben viele menschen zu juden gemacht. deportationen, mord und ausgrenzung wurden an den zu „juden“ deklarierten menschen vollstreckt. in diesem sinne gab es eine historische realität von „deutschen“ und „juden“

    4.”Vor 1933 konnte mensch sich den Antisemitismus als Kapitalismuskrirtik unzufriedener Nationalisten erklären. “meint Ihr das nun wirklich, dann solltet Ihr Euch mal die Geschichte anschauen. Der Antisemitismus war nicht das Problem einiger veirrter Nationalisten sondern das der gesamten bürgerlichen Klasse. Da die Bürger/innen als politische Klasse sich wenig mit dem Wertgesetz auseinander gesetz hatte und hat war und ist ihr das Funktionieren ihrer eigenen Gesellschaft nicht bewußt und für das Scheinbare Nichtfunktionieren (eine Gesellschaft die sich real hin zum Abstrakten entwickelt) wurde und wird der Jude verantwortlich gemacht etc. Da müsste mensch dann aber tatsächlich mal mehr als ein
    paar Fetzen Demoaufrufe lesen …

    ich find beide ansätze unglaublich verkürzt. hier auf die bürgerliche klasse zu schimpfen ist auch sehr dumpf. antisemitismus war nicht in einer bestimmten schicht verortet, was man sehr gut sehen konnte als sich die arbeiter im dritten reich nicht von den ketten der knechtschaft, sondern von ihren jüdischen kollegen befreiten. es gab verschiedene prozesse die dem vernichtungsantisemitismus letztentlich in deutschland seinen historischen durchbruch verschafften – sei es die verspätete nation, die fehlende bürgerliche revolution, romantizismus, christlicher antijudaismus, die militarisierte und autoritäre weimarer gesellschaft, etc. pp.

    viele bürgerliche intelektuelle sind im übrigen emigriert. beispielsweise das frankfurter institut für sozialfoschung.

    5.”Während direkt nach 1945 nach einer kurzen Phase Schweigen angesagt war …”wer schwieg wann wo, immerhin solltet Ihr vielleicht erwähnen, das nachdem Deutschland vom Faschismus befreit wurde, zum größten Teil durch den slawischen Mob, sowjetische Menschen die nebenbei bemerkt ihre Heimat sehr liebten, es eine Phase der der härtesten politischen Konfrontation über die weitere Entwicklung Deutschland gab. Schaut Euch doch mal das Potsdammer Abkommen an und überlegt auf Grund welchen Wirkens konkreter politischer Subjekte die Realisierung dieses Abkommens verhindert wurde …

    soll das ne dolchstoßlegende werden?

  6. 6 matthias 16. November 2007 um 11:07 Uhr

    Ihr meint, ihr denkt, ihr unterstellt nicht auf eins der angesprochenen Problem geht ihr ein, aus guten Grund …
    1. Ihr übernehmt nicht nur die Argumente der Nazis sondern befindet Euch inhaltlich auf der gleichen Höhen. Das Deutsche und die Deutschen ist die Faszination die euch vereint.
    2. „Alle machten mit, alle waren schuld“ das was da so fürchterlich radikal daher kommt ist in Wirklichkeit die linke Version des Geschichtsrevisionismus, die mensch bisher von rechts kannte. Das Leben ist nun einmal konkret. Genau so die Geschichte. Es läßt sich leicht feststellen, wer das Gesetz über das Berufstbeamtentum im Jahre 1933 beschloss und wer davon profitierte, die Proleten am Fließband ???Genauso gibt es Untersuchungen über die soziale Zusammensetzung der NSDAP und zum Wahlverhalten. Ebenso wer Widerstand leistete und wer mitmarschierte. Da gibt es eine Menge Literatur… Das ihr statt dessen von den nebulösen Deutschen sprecht ist klar, Verantwortlichkeiten insbesondere der der bürgerlichen Klasse verschwinden und das ist auch der Zweck der ganzen Übung.
    3. Genauso vereinfacht ist Euere Geschichtsbild, da gibt es nur die Deutschen und dann eben Euch, den wahren KritikerInnen des Kapitalismus und den einzigen die sich mit dem Antisemtismus auskennen würden …
    4. was soll dies eigentlich, wird der ein oder andere sich fragen – dummerweise handelt es hier nicht um ein theoretisches Problem sondern um ein sehr praktisches … würden sich diese Seiten der sogenannten Jugendantifa Harz in Magdeburg oder Halle befinden könnte mensch sich entweder verärgert oder auch belustigt anderen Sachen widmen.
    Wer in einer Region wie dem Harz daherkommt mit solchen Parolen wie „Krauts etc“ und sich anderseits in weinerlichsten Tonfall darüber beklagt das die Bevölkerung sich im höflichsten Falle neutral gegenüber den Nazis verhält, muss sich selber fragen lassen was er oder sie eigentlich will. Wer die eigene Unfähigkeit sich sozial und politische im Harz zu verankern durch dümmlichste Publikumsbeschimpfung ersetzt, sollte sich wie es treffend ein andere Genosse formulierte endlich dahin begeben wohin er gehört, in den Vorlesungsraum der Universität.

  7. 7 Diskutierer 17. November 2007 um 0:03 Uhr

    Mach mal ’nen Punkt …

  8. 8 IdrawESCAPEplans 18. November 2007 um 13:36 Uhr

    Wer die eigene Unfähigkeit sich sozial und politische im Harz zu verankern durch dümmlichste Publikumsbeschimpfung ersetzt, sollte sich wie es treffend ein andere Genosse formulierte endlich dahin begeben wohin er gehört, in den Vorlesungsraum der Universität.

    langweilige intellektuellen hetze …

    1. Ihr übernehmt nicht nur die Argumente der Nazis sondern befindet Euch inhaltlich auf der gleichen Höhen. Das Deutsche und die Deutschen ist die Faszination die euch vereint.

    klar, weil man das wort „deutsch“ in den mund nimmt ist man inhaltlich auf augenhöhe mit nazis. diese argumentation hat weder hand noch fuss. geschichtlich gilt es halt die spezifischen wesenszüge der deutschen gesellschaft zu erörtern, will man ansatzweise verstehen warum der nationalsozialismus in deutschland durchbrach

    2. “Alle machten mit, alle waren schuld” das was da so fürchterlich radikal …

    du machst offensichtlich keine trennung zwischen individuellen handlungsspielräumen, die es ohne zweifel gab, und gesellschaftlichen zuständen.

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